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Eintauchen in eine fremde Kultur

Ein Reisebericht über den China-Austausch der Fronhofer mit der Foshan Rongshan Middle School - von Thalia Dunz

Am 16. März 2018 starteten wir, also Frau Retzer, Herr Pollinger und 20 Schüler der FRI die große und aufregende Reise nach China.Geplant war, die erste Woche bei einer chinesischen Gastfamilie in Foshan zu verbringen und die Rongshan Middle School kennenzulernen und im Anschluss daran, eine Woche durch China zu reisen. Die chinesische Schule bereitete bei unserer Ankunft einen großen Empfang für uns Schüler aus Deutschland vor und wir wurden, wie die Chinesen es gerne nennen, mit einem „warmly welcome“ begrüßt. Gleich am nächsten Tag, einem Sonntag, hatten die meisten von uns die Möglichkeit, mit ihrer Familie und den Austauschschülern erste Eindrücke von unserer Partnerstadt Foshan zu gewinnen. Ab Montag hieß es dann die chinesische Schulbank drücken…

SchultischeMorgensport

Erste Woche in der Schule

Vergleicht man die chinesische Schule mit der Fronhofer Realschule, fallen kaum Gemeinsamkeiten auf. Alle Schüler und Schülerinnen tragen eine einheitliche Schuluniform: Polo-Shirt, Jogginghose und Trainingsjacke. Pflicht sind außerdem zusammengebundene Haare und Schulrucksack, Schminken ist verboten.  Die Schule beginnt um 7:15 Uhr und endet gegen 22:00 Uhr. Eine Schulwoche geht von Montag bis Freitag, allerdings müssen die Schüler ab 18 Jahren an den Samstagen Tests schreiben. Frühstück, Mittagessen und teilweise auch das Abendessen haben die Chinesen in der Schule.

Für uns deutsche Schüler wurde jeden Morgen ein Frühstück vorbereitet: Kalte, gekochte Süßkartoffel, Mais, Nudeln, Reissuppe und Milchbrötchen. Ab und zu wurden uns auch die Chicken Nuggets des Mittagessens vom Vortag aufgewärmt. Kein typisch westliches Frühstück, an welches sich viele deutsche Gaumen nicht so recht gewöhnen wollten. 

Vor dem „Lunch“ haben die Chinesen eine halbe Stunde Pflichtprogramm: Morgengymnastik, dabei halten sie sich mit bestimmten Bewegungen auf dem Sportplatz fit oder laufen um den riesigen Platz herum.
 Eine ganz neue Erfahrung war für uns auch die Ruhestunde nach dem Mittagessen. Da mussten alle Schülerinnen und Schüler – es sind wirklich 50 in einer Klasse - im Klassenraum mit dem Kopf auf dem Tisch schlafen, um für den langen Schultag genug Energie zu tanken. Wer nicht müde war, musste trotzdem ruhig sein und sollte sich nicht bewegen. Am Nachmittag dürfen sich die chinesischen Schüler, je nach Belieben, eine Aktivität aussuchen, z.B. Volleyball, Fußball, Lion Dance, Trommeln oder auch Tanzen. Während unsere Austauschschüler im Unterricht saßen, lernten wir viel über die chinesische Kultur: Wir durften Musikinstrumente, den bekannten Lion Dance, Kalligraphie und den chinesischen Volkstanz kennenlernen und selbst ausprobieren. Auch in der Stadt Foshan haben wir, gemeinsam mit einigen chinesischen Lehrern, wichtige Tempel sowie die unterschiedlichen Stadtteile besucht.

Ich kann euch versichern, dass ich am ersten Tag nach den Osterferien doch froh war, in die Fronhofer zu gehen, wo ich auf einem bequemen Stuhl, nicht auf einem Holzhocker ohne Lehne, sitze und in einer vergleichsweise kleinen Klasse unterrichtet werde. Ganz zu schweigen davon, dass wir gemütlich um 13 Uhr nach Hause dürfen und wir uns nicht bis in die späten Abendstunden mit Schulübungen beschäftigen müssen.

Gastfamilie und Gastschüler
Allgemein sind die Englischkenntnisse der Chinesen unserer Erfahrung nach sehr gering. Dies mussten wir auch in den Gastfamilien feststellen, da keine der Eltern Englisch sprechen konnten. Bei der Verständigung mit den chinesischen Schülern musste „Google Übersetzer“ oft helfen. Die meisten Familien waren jedoch sehr bemüht und haben sich um die Wünsche der Deutschen aufmerksam gekümmert. Fast alle Familien lebten in einfachen, kleinen Wohnungen. Jeremy erzählte, dass er in seiner Gastwohnung auf einem Schrank mit Matratze geschlafen habe und Eliza musste sich ihre Haare mit einem Eimer Wasser waschen. Besonders witzig und ungewohnt für uns war auch das ständige Fotografieren der Chinesen. Stets wurde das Handy oder die Kamera gezückt und ein Foto geschossen. Mit jedem Europäer, von jedem Restaurantbesuch, von jeder Aktivität…. Tja, man passt sich an und deshalb habe ich, wie viele von uns, jetzt auch ca. 900 Fotos auf meinem Handy …

Zweite Woche: Rundreise

In der zweiten Woche begann unsere Rundreise, in der wir folgende Städte besuchten: Guangzhou, Hangzhou, Suzhou, Shanghai und Peking. (Das –zhou bedeutet so viel wie Stadt/Gebiet/Ort, erklärte uns unser Reiseführer Tony.) Von Stadt zu Stadt wurden wir meistens mit dem Bus gefahren, in dem oft laute Musik und Gesang auf dem Plan standen. Also ein kleiner Reisetipp für die nächsten Chinafahrer: Vergesst eure Musikbox nicht! Sorry, Herr Pollinger ;-)

Zwei Nächte verbrachten wir auch in einem Nachtzug, der für jeden von uns eine komplett neue Erfahrung war, da in Deutschland nur noch wenige solcher Züge unterwegs sind. Wir alle fanden das aber ganz toll, weil man ohne große Mühen in den Zug steigt, schläft und am nächsten Morgen in einer komplett anderen, weit entfernten Stadt aufwacht. Die restlichen Tage übernachteten wir in Zweibettzimmern in modernen, schönen und sauberen Hotels. Purer Luxus nach den doch eher einfachen Wohnverhältnissen bei den Gastfamilien. Mittag und Abend aßen wir immer in Restaurants. Gefallen haben uns dort die praktischen Drehtische. So konnte sich jeder an Reis, Suppe, Gemüse, Fleisch oder Nudeln bedienen.

EssenPeking

Wirklich gravierende Unterschiede zwischen China und Deutschland lagen bei der Hygiene: In China gab es nur Stehtoiletten und Toilettenpapier war nicht vorhanden. Man musste seine eigenen Tempos mitbringen! Seife suchte man meist vergebens und zum Händewaschen stand nur kaltes Wasser zur Verfügung.

Aufregend und wahnsinnig beeindruckend war es, die verschiedenen Städte zu sehen und sich dort aufzuhalten. Die zahllosen, unendlich hohen Gebäude sind mit nichts zu vergleichen, was wir hier kennen. Ich kann euch sagen, München ist ein Dorf dagegen und selbst Berlin kommt mir im Vergleich klein vor.
In den Städten selbst erklärte uns unser Reiseführer die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und anschließend durften wir uns selbst beschäftigen und uns umsehen.
Meistens gingen wir shoppen oder zu Starbucks. Starbucks, ein bisschen Heimatgefühl, wurde zum täglichen Pflichtprogramm.

Und nun noch ein wenig zu Peking.
Hier haben wir unter anderem die verbotene Stadt, den Himmelstempel und die Gassen angesehen. Die Straßen dort sind voller Menschen, im Stau stehenden Autos und wenn man in den Himmel sehen möchte, sieht man außer Wolkenkratzern und Smog nichts. Am eindrucksvollsten war jedoch die chinesische Mauer, die wir selbstständig erkunden durften. Besonders genossen habe ich die Zeit mit meinen Mitschülern. Da man sich bei den gemeinsamen Ausflügen besser kennenlernen konnte, sind viele neue Freundschaften entstanden. Wir sind zu einer tollen Gruppe zusammengewachsen. Wir haben in den Hotels am Abend über die Eindrücke des Tages geredet, Spiele gespielt oder einfach nur „gechillt“.

Mein Fazit
Als Fazit muss ich sagen, dass mir der China-Austausch super gefallen hat und ich ihn sofort wieder machen würde. Man ist in eine komplett fremde Kultur eingetaucht, konnte viele außergewöhnliche Eindrücke sammeln, besondere Erfahrungen machen, neue Erkenntnisse gewinnen.
Vor allem in eine chinesische Schule hätte man sonst wahrscheinlich keinen Einblick bekommen. Zurück in Deutschland weiß man jetzt aber schon die einfachen Dinge viel mehr zu schätzen…